…hab ich vermisst
Auf unserem Trip über den Polarkreis hatten wir davon genug. Der erste Schnee in diesem Winter, der uns zudem unseren Urlaub noch versüßt hast. Aber alles nach einander. Vor ein paar Monaten haben sich Julia, Steffi und ich entschieden zusammen einen Trip auf die Lofoten (Inselgruppe an der Westküste in Nord-Norwegen), mit anschließendem Besuch in Tromsø, zu machen. Also ging es dann an einem schönen Montagmorgen auch los. Unsere Reise begann erst einmal mit einer entspannten 25h(!)-Zugfahrt von Bergen nach Oslo nach Trondheim nach Bodø.
Eine Zugfahrt die ist lustig….
Zwischenstopp in Trondheim

Jede Gruppe braucht ihren Assi
Wie man sich vorstellen kann, sind die Nächte im Zug nicht die bequemsten, auch wenn man tolle Schlafsessel hat. Aber wer billig reisen will, muss leiden. In Bodø angekommen, sind wir dann einstimmig zu dem Urteil gekommen, dass das hier wohl die mit Abstand hässlichste Stadt in Norwegen ist. Neben den Häusern in verschiedenen Graunuancen, hat es wahlweise angenehm nach Fisch, Müll oder Abgasen gestunken. Leider konnten wir diesem reizenden Städtchen nicht so schnell entfliehen, da unsere Fähre auf die Lofoten erst 16.30 abfahren sollte, dass hieß 7 Stunden Aufenthalt in Bodø…yyiihhhaaaa…wir konnten uns vor Freude kaum halten. Aber man soll ja das Beste draus machen, also haben wir einfach den Hausberg Røyvikfjell bestiegen…und wurden dann doch noch mit einem bombastischen Panorama belohnt. Schon hier ließ sich teilweise erahnen, was uns auf den Lofoten noch erwarten sollte.

Vorgeschmack auf die Lofoten

Ja ja…Toten-Transport…für alle die, die in Bodø vor Langerweile sterben
Nach dem wir dann erstaunlicherweise die Zeit doch noch rum gekriegt haben sind wir mit der Fähre nach Moskenes (holla, hatten wir einen Seegang…da macht das Pinkeln Mühe) auf die Lofoten und von da aus nach Å (ja dieser Ort hat nur EINEN Buchstaben) gefahren. Zum Abendbrot gab’s Studentenessen – Nudeln mit Pesto – billig, schnell und lecker!!!
Zum Frühstück wurden wir dann mit einem atemberaubenden Sonnenaufgang geweckt, wie ich ihn selten erlebt hab. Da wir im Dunkel in Å angekommen sind, haben wir auch erst am Morgen gesehen von welch gewaltigen Bergen wir hier umgeben sind. Aus dem Meer heraus erheben sie sich in spektakulären und bedrohenden Formen – zackig, gewaltig und riesig. Auch haben wir zum ersten Mal Stockfisch in seiner Reinform gesehen. Na ja, schon ein wenig eklig, wie die da so hängen und vor sich hin stinken
Wir wollten ja welchen klauen, wäre auch kein großer Akt gewesen, wäre da nicht die Sache gewesen, dass man uns damit wahrscheinlich schon 2km gegen den Wind gerochen hätte. Also haben wir diesen Gedanken schnell wieder verworfen und den Stockfisch hängen gelassen.
Da es Anfang November soweit im Norden bereits gegen 13.30 anfängt zu dämmern und es 15.30 stockduster ist, muss man die Helligkeit nutzen. Also haben wir einen der nur dreimal täglich fahrenden Busse genommen und sind erstmal nach Reine gefahren – ein kleines Fischerdorf, das zum Weltkulturerbe zählt. Während der Busfahrt konnten wir unsere Augen schon nicht von der Landschaft lassen. Nicht nur, dass der frisch gefallene Schnee die Landschaft verzaubert, als sei sie gemalt, nein, auch das Licht ist hier nicht wie überall sonst auf der Welt. Da die Sonne um diese Jahreszeit permanent sehr tief steht, schafft sie eine Stimmung, die einen nur entzücken kann. Reine ist, wie eigentlich jeder Ort auf den Lofoten sehr verschlafen und scheinbar menschenlos
zumindest kam es uns so vor, wir haben hier keine Menschenseele auf den verschneiten Straßen gesehen. Das Highlight des Tages war dann für uns auch der Onsdags-Kaffee (Mittwochs-Kaffee) im örtlichen Seniorentreff. Gegen Mittag und nach einer Fjordrundfahrt waren wir dann doch etwas durchgefroren und uns war nach etwas warmen. Wir hatten bei unserem Rundgang schon das Schild „Onsdags-Kaffe“ am Straßenrand stehen sehen, haben uns aber nicht so richtig getraut rein zu gehen, da wirklich alles nach einem Seniorentreff aussah. Aber die alten Leute, die gerade am gehen waren, haben uns dann quasi dazu ermutigt, dass man Kaffee, soviel man will und eine Waffel für nur 20Kronen (ca. 3€) schlecht ablehnen kann. Wir wurden dann auch herzlich willkommen geheißen – junge Leute und gerade um diese Jahreszeit würde man hier nicht oft sehen.
Viel Kaffee, Waffeln und ein nettes Gespräch später (Verabschiedet hat sich Julia dann unwissenderweise jedoch mit den Worten „Takk for alt“ – „Danke für alles“,– sagt man diese Floskel doch nur auf Beerdigungen zu dem Verstorbenen, aber wir waren ja in einem Altersheim *lol* da passt das ja fast schon wieder– ich bin wieder fies heute) sind wir dann weiter nach Svolvær (mit 4.000 Einwohnern, die Hauptstadt der Lofoten
) gefahren. Nach verzweifelter Suche nach unserem Hostel, toller und witziger Hilfe von Einheimischen (mit bühnenreifer Wegbeschreibung) gab’s dann abends wieder Nudeln mit Pesto – wie gesagt, billig, einfach und lecker!!! Und da fährt man schon mal auf die Lofoten, ans andere Ende Welt quasi *lol*, mitten im Winter und wen trifft man im Hostel?? Ein Mädel aus Potsdam (man muss erwähnen, das sowohl Julia als auch Steffi in Potsdam studieren bzw. teilweise studieren). Wie klein die Welt doch ist.
Für Donnerstag hatten wir dann eine tolle Orcawal-Safari gebucht. Wir haben uns alle irrsinnig drauf gefreut und sage und schreibe umgerechnet 120€ für diesen Tagestrip hingeblättert. Und was haben wir gesehen?? Tolle Landschaft, ohne Zweifel….viel Wasser, Schnee, Wasser und…keine Wale…nein, keine Wale. Dafür haben wir gelernt, was es heißt zu frieren. Zur Erklärung: ich hatte 6(!) Paar Socken an, zwei Strumpfhosen, eine Jeans, eine Outdoor-Hose, ein Unterhemd, zwei T-Shirts, eine Sweat-Jacke, eine Winterjacke, zwei Paar Handschuhe und einen Wärmeanzug vom Boot…und ratet was geschah?? Ich habe teilweise wirklich gefroren…der Schnee und die Gischt vom Boot haben ihr übriges dazu getan. Unser Essen hätten wir abends dann auch nicht salzen, sondern einfach nur einmal durch’s Gesicht ziehen müssen, so eine Salzkruste hatten wir da…Wir waren auch drauf und dran, allein schon aus Protest, Wal essen zu gehen
Blöden Wale, die…
Freitag haben wir dann den ersten und einzigen Tag mal ausgeschlafen und sind nach Henningsvær gefahren, einem auch, nun ja, sehr verschlafenen Örtchen.
Stockfisch hinter Glas
Bevor wir uns auf den Weg nach Tromsø gemacht habe, sind wir dann auch noch in die Eisskulpturen-Ausstellung „Magic Ice“ in Svolvær gegangen.
Abends ging es dann mit den Hurtigruten nach. Und hier herrscht schon in gewissem Maße Luxus, auf diesen Schiffen. Nun ja, wir sind dann halt da mit unseren „Rema 1000“-Einkaufstüten eingetrudelt und haben uns erstmal häuslich eingerichtet. Da uns das hier alles viiiel zu ordentlich und spießig war, haben wir uns schon überlegt, einfach mal ein bisschen Chaos zu verursachen und mit Essen um uns zu schmeißen…Salami an den Scheiben würde wunderbar zum Ambiente passen, dachten wir, haben die Idee aber dann aus Angst, von Bord geschmissen zu werden, doch wieder verworfen.
In Tromsø angekommen hatten wir dann das mit Abstand teuerste aber auch echt enttäuschenste Hostel der ganzen Reise abgefasst. Tauscht man das M in AMI-Hotel gegen zwei ss aus, passt der Name schon besser…nun wollten wir ja nun auch Nordlichter sehen und in Tromsø stehen die Chancen da ganz gut, nachdem wir aber den ganzen Abend in der Stadt rumgelaufen sind, war uns irgendwann so kalt, dass wir es dann vorgezogen haben, uns in ne Bar zu setzten und mal das gute Tromsø-Bier zu kosten. Das ist dann in einen feucht-fröhlichen, aber sehr lustigen Abend „ausgeartet“.
Am nächsten Morgen saßen wir dann alle etwas verkatert am Frühstückstisch und neben uns fragte dann jemand seinen Sitznachbarn, ob er denn die tollen, wunderschönen Nordlichter heute Nacht gesehen hätte. Wir haben uns angeschaut und jeder hatte den gleichen Gedanken: „Shit…!“ Wenn es keine Nordlichter gegeben hätte, dann hätte man auch keine sehen können…aber ES GAB ja welche, wir haben es aber eher vorgezogen uns die Birne zu zukippen. Da haben wir uns dann doch ganz schön drüber geärgert, zudem es am Sonntag wegen bedecktem Himmel auch nix mehr mit Nordlichtern war…nun ja…also keine Wale, keine Nordlichter…Scheiß Natur, sag ich da nur (Reim, reim, reim…). Der berühmten Eismeerkathedrale haben wir auch noch einen Besuch abgestattet, von außen wirklich beeindruckend, gerade im Dunkeln, ist sie von innen dann doch eher enttäuschend, zumal der Spaß auch noch 3€ Eintritt gekostet hat. Hätten wir vorher mal cleverer Weise durch’s Fenster geschaut, hätten wir gesehen, dass sich das nich lohnt…aber nun ja, Pech gehabt und Geld gezahlt. Abends sind wir dann zurück geflogen, erst nach Oslo und dann nach Bergen…Am Osloer Flughafen haben wir dann sogar noch ein kostenloses Stück Pizza abgestaubt, wie wir dazu gekommen sind, sagen wir lieber nich *gg*…

Tromsø in der Dämmerung (ca. 14.00)

Ishavskatedralen – Eismeerkathedrale
Alles in allem war es ein rund um gelungener Trip…auch wenn er sehr teuer war, so hat sich doch jeder Cent gelohnt…wir hatten ne Menge Spaß, haben unbeschreibliche Landschaften gesehen, nette Leute kennen gelernt und die Erkenntnis gewonnen, dass wir wohl noch mal her müssen – einmal im Winter zum Wale und Nordlichter sehen und einmal im Sommer zur Mitternachtssonne J
Bevor wir zu den Lofoten aufgebrochen sind, hatten wir noch ein schönes Abschiedsdinner mit allen lieben Leuten. Susi ist ja schon eher nach Deutschland abgereist. Das Dinner war dann auch eher ein Gelage…mit Lasagne und MilkyWay-Kuchen…Bombe pur sag ich nur…Den Kuchen hab ich am Ende nur noch rein geschoben und gequetscht…und während ich an einem Stückchen rumgewerkelt hab, haben Juan und Diego gleich mal zwei Stückchen verputzt…und dann nachts um 3 noch mal zu gelangt…unbegreiflich so was….*kopfschüttel*
PS: Beim nächsten Mal gibt’s den ersten Zurück-In-Deutschland-Erfahrungsbericht…





















































































