Nein, nein…also zumindest besteigen wir den Løvstakken, einer der sieben Berge rund um Bergen, nich gleich morgen
Zur Erklärung: Meine drei Lieblingskolumbianer und ich
haben letztens ne 7-Stunden-Wanderung gemacht. Wir sind also vom Ulriken (mit 643m dem höchsten Berg um Bergen) über das Vidden-Byfjell zum Fløyen (dem Berg mit der schönen Aussichtsplattform) gelaufen. Das schöne Wetter, was wir die letzten Wochen ja noch hatten, musste unbedingt ausgenutzt werden. Ich hab dann einfach am Feitag festgelegt, dass wir das Samstags machen, sonst wird das ja hier nie was *gg* Juan hat noch zu mir gemeint: „Ja ja, weck mich einfach wenn du wach bist, dann wecken wir die anderen!“ Ok…das lass ich mir nich zweimal sagen. Samstag, früh um kurz vor 10 hab ich dann das erste Mal sachte bei Juan geklopft…keine Reaktion, also hab ich erstmal gefrühstückt und es dann um viertel 11 (für alle Nicht-Ossis unter meinen Lesern – viertel nach 10) noch mal versucht. Immer noch kein Lebenszeichen. Ich wollt aber auch nich wie ne Bekloppte da jetzt an die Tür hämmern. Was macht man da? Man holt sich jemanden, der das für einen erledigt. Also, hoch zu Diego. Diego, los wir wollten doch heut die Wanderung machen (er hat erstmal keinen vernünftigen englischen Satz rausgekriegt, weil er noch im Halbschlaf war, nur leider hab ich sein spanisches Gelaber nich verstanden
). Ach ja, und du musst jetzt mal Juan aufwecken. Ok, Diego hat das dann etwas uncharmanter gelöst und mal ordentlich gegen die Tür geschlagen
Juan wusste auch erstmal nich wo oben und unten is, wir haben das dann aber doch noch gepackt und Pilar aufgeweckt, die genauso aussah…ich hab mich natürlich gekringelt vor Lachen. Da haben sie erst alle den großen Mund und dann??? Na ja, ich wurde dann für den Rest des Tages dafür verflucht, dass ich sie alle geweckt hab und Juan und Diego wollen sich dafür auch irgendwann noch rächen…ja ja…Aber es war natürlich eine gute Entscheidung, die Tour Samstag zu machen, da es Sonntag nämlich geregnet hat. Auf den Ulriken sind wir dann aber doch erstmal mit dem Cable-Car hochgefahren, weil das sonst nochmal zu viel Zeit in Anspruch genommen hätte bis hoch zulaufen. Als wir dann auf ne Luftaufnahme von dem Gebiet geschaut haben und gesehen haben WAS wir für eine Strecke vor uns haben, nun ja…da ist uns dann schon was anders geworden
rechts der Ulriken, links der Fløyen
Aber, wir lassen uns ja nich beirren und sind frisch und munter losgelaufen. Dazu muss ich dann auch mal ein paar grundlegende Anmerkungen zum Wandern in Norwegen machen. In Deutschland hat man in 95% der Fälle gut ausgebaute Wanderwege, breit, geschottert und man sieht definitiv wo er langgeht. Auch gibt es an jeder Gabelung und auch zwischendurch leserliche Wegweiser mit expliziten Entfernungsangaben. In Norwegen hat man in 95% der Fälle NICHTS von alle dem. Der Weg ist kein Weg, sondern ein Trampelpfad über Steine, Felsen, durch Schlamm, durch Tümpel und durch Gras…manchmal hört er auch einfach auf. Manchmal muss man auch Klettern, sowohl rauf als auch runter. Wegweiser gibt es wenig und wenn dann ohne Kilometerangaben. Der einzige Anhaltspunkt, dass man sich nicht verlaufen hat, sind große rote Punkte auf den Steinen oder große Steinhaufen in großen Abständen, die die Wegmarkierungen sein sollen.
Also, eine Wanderung in Norwegen ist um einiges anstrengender als eine Wanderung in Deutschland
Und obwohl der Ulriken nur 643m hoch ist, also knapp 200m kleiner als unser Kickelhahn in Ilmenau, auf dem in dieser Höhe noch dichter Waldbewuchs herrscht (gut, Kyrill hat ein wenig ausgedünnt), ist hier nichts mehr…kein Baum, kein Busch…nur Gras, Moos und Fels. Die Baumgrenze ist also um einiges niedriger als in Deutschland. Dementsprechend waren auch die Temperaturen hier oben, eisiger Wind aus allen Richtungen, aber trocken. Das also zu den Grundlagen, was das Wandern in Norwegen angeht
Aber die Aussicht, die Landschaft und die Stille haben für alle Strapazen entschädigt.
Ich war auch ganz froh, dass ich während der gesamten Tour nicht einmal auf’s Klo musste (diejenigen, die mich kennen, wissen, dass das ne mega Leistung is
), denn es hätte auch einfach keine Möglichkeit gegeben zu gehen…es gibt nichts, wo man sich verstecken kann
da wünsch ich mir mal wieder, ein Mann zu sein. Pilar ging es leider anders, sie musste schon lange bevor wir die Hälfte geschafft hatten, so dringend auf Toilette, dass sie vorgelaufen bzw. vorgerannt ist. Sie hat die gesamte Tour dann auch in nur 6 statt in 7 Stunden geschafft
Die letzten Kilometer waren dann zum Ende hin aber wirklich beschwerlich. Alles vom Oberschenkel abwärts war nur noch ein einziger Schmerz. Knie und Füße besonders, weil man ja immer wieder rauf und runter und springen und hüpfen musste. Wir haben dann auch drei Kreuze gemacht, als wir auf dem Fløyen angekommen sind und uns geschworen, keinen Schritt mehr zu machen. Scheiße war’s, wir mussten ja noch heim. Aber es hat sich wirklich gelohnt, dass muss ich schon sagen, auch wenn ich am Sonntag den ganzen Tag im Bett lag und mich nur von meinem Zimmer in die Küche und zurück bewegt hab
(die anderen aber übrigens auch *gg*)
Letzten Donnerstag sind Jule, Juan und ich dann abends ins „Studenten“ gegangen. Kann man so mit dem H-Club in Ilmenau vergleichen. Haben also ein kleines Vorspiel gemacht und sind dann mit dem pinken Partybus
in die Stadt gefahren. War jedenfalls ein sehr witziger Abend, das Bier war (vergleichsweise) billig und die Musik tanzbar
Und ich muss immer wieder über Jans Anmerkung lachen, die er gemacht hat, bevor ich hier her gekommen bin. „Wenn die Norweger genügend getrunken haben [was definitiv nicht lange dauert], dann machen die alles an, was nich bei drei auf den Bäumen ist – und der Rest wird runtergeschüttelt!“ Und so ist es wirklich, der Hammer…da kann sich jeder heiße Spanier warm anziehen, sag ich euch. Die machen vor nichts und niemandem halt. Man kann den norwegischen Partyabend auch gut in 5 Grundphasen einteilen. Phase 1 beginnt mit dem Vorspiel daheim oder bei Freunden. Da der Alkohol im Club meistens zu teuer ist, muss man sich schonmal einen gewissen Grundpegel antrinken, den es dann auszubauen oder zumindest zu halten gilt. Also geht man meist schon betrunken oder zumindest angeheitert in den Club, man sollte sich aber tunlichst davor hüten auf dem Weg zum Club noch ein Bier zu trinken – das kann teuer werden, trinken in der Öffentlichkeit ist untersagt. Sind die Norweger vor Phase 1 noch recht schweigsam und eigentlich das genaue Gegenteil eines frauenverschlingenden Baggermonsters, so kommt man der Sache in Phase 2 schon näher. Phase 2 findet nun schon im Club statt, beginnt aber selten vor 0.00Uhr. Die Norweger werden jedoch langsam redselig und checken schon mal die Lage aus
Mit Beginn von Phase 3 wurde jetzt schon das ein oder andere Bier konsumiert und der Alkohol-Grundpegel ist mittlerweile stark angestiegen. Es wird sich rangepirscht und die ersten fangen an, eng miteinander zu tanzen, die Besonderheit hier – norwegische Mädels lassen sich ungern Drinks ausgeben, weswegen es viele Jungs aufgegeben haben, Mädels danach zu fragen. Also erwartet bitte nicht, dass euch ein Norweger nen Drink spendiert
. Phase 4 beginnt gegen 2.00Uhr – eine Stunde vor der Sperrstunde. Es wird gesabbert, gezerrt und wer nicht tanzen will, wird tanzbar gemacht. Wer jetzt noch keinen Fang gemacht hat, sollte also schleunigst anfangen die Bäume zu schütteln – die Mädels wahlweise den Hintern. Diese verzweifelten Versuche sind mitunter sehr amüsant. Phase 5 und somit die letzte Phase beginnt um 3.00 Uhr – Sperrstunde. Wer jetzt noch nich zerstört ist, nimmt seine Partybekanntschaft mit zum Nachspiel, um dem Alkoholpegel noch den letzten Schliff zu geben. Dort wird dann weiter getrunken bis auch der letzte nicht mehr aufstehen kann. „Vorspiel“ und „Nachspiel“ sind also Grundzutaten für einen gelungen Partyabend in Norwegen. Das heißt hier auch wirklich so, also die Wörter wurden eins zu eins aus dem Deutschen übernommen, ohne Übersetzung. Wird man als Deutsche nun von einem Norweger gefragt „Kommst du mit zu mir, zum Vorspiel?“, wird selbige erstmal rot und ist sehr peinlich berührt. Erklärt eine Deutsche einem Norweger nun, was „Vorspiel“ und „Nachspiel“ wirklich heißt, wird dieser wiederum rot und ist sehr peinlich berührt
Und so endet das Nachspiel aber vielleicht mit einem Vorspiel??!! Was für ein Wortspiel (wow)
Zum Schluss kommt noch, was ihr sicher alle schon vermisst habt, die ultimative TOP5 der Suchmaschinenbegriffe mit denen Leser auf meinen Blog gelangen. Auf Platz 5 diesmal „geile Kerle“ – das ist das erste Mal das jemand nach geilen Männern sucht, sonst sind es immer nur geile Weiber oder wahlweise geile Putzfrauen. Platz 4 wird belegt durch „Küsschen“ – wie süß
. Auf Platz 3 hat es diesmal „tot und Verwesung“ geschafft – Hm, was soll ich dazu sagen?…Auf Platz 2 hab ich heute „hässlich“ gewählt – dieser Suchbegriff kommt ungewöhnlich häufig in meiner Statistik vor *indenSpiegelschau* Sollte ich mir Gedanken machen? Ungeschlagen auf Platz 1 ist jedoch „der weise hei“ – ja ne, is klar…Annelie empfiehlt dazu www.duden.de oder wahlweise www.analphabet.de
PS: Tokio Hotel sind derzeit hier DIE Renner…so kommt im Radio ständig „Durch den Monsun“ – aber auf Englisch, also „Through the monsun“…ist man denn vor denen nirgends sicher??!!
PPS: Der Link der Woche: http://www.youtube.com/watch?v=Q5im0Ssyyus Vorsicht bevor ihr das Video anschaut – es könnte zu enormem IQ-Verlust führen. Annelie übernimmt keine Haftung für anschließende Verblödung.
Cchhaarrlliiee…wanna come to Candymountain…Cchhaarrlliiee…???


















